Patchworkchaos

Patchwork ist kein Spaziergang

Hab ja schon in meinem Instagram – Post geschrieben, dass meine Mama mich gleich vorgewarnt hatte. Ihre Sorgen waren berechtigt und mittlerweile kann ich es auch gut nachvollziehen, warum sie mich damals so eindringlich vorwarnte.

Eine Patchworkfamilie ist kein Spaziergang. In keinster Weise. Wenn, dann ist es eine Wanderung. Eine Wanderung mit ziemlich vielen anstrengenden und langen Passagen. Dann, man glaubt knapp vor dem Gipfel zu sein, erblickt man die nächste Hürde, die erst noch überwunden werden muss. Manchmal, in guten Phasen, geht es auch bergab oder geradeaus. Man kann sich entspannen, aber der nächste Anstieg ist bestimmt nicht weit. Ungefähr so sieht das Leben bei uns aus. Kompromisse müssen gefunden, Lösungen gesucht und viele Dinge durchdacht und angesprochen werden – die vielleicht in „normalen“ Familien anders ablaufen oder gar nicht zur Debatte stehen.

Ich bin selbst in einer Patchworkfamilie aufgewachsen. Meine Eltern trennten sich als ich noch sehr klein war. Beide haben wieder geheiratet und ich muss und kann sagen, es hat bei mir und unserer damaligen Konstellation sehr gut funktioniert. Natürlich waren Mama und Papa auch nicht immer einer Meinung und es gab Differenzen, aber grundsätzlich durfte ich in einer tollen und gut funktionierenden Patchworkfamilie aufwachsen. Dazu ein andermal vielleicht mehr :-).

Schon häufig habe ich darüber nachgedacht, ob es mir deshalb leichter gefallen ist, meinen Partner mit seinen beiden Kindern zu akzeptieren.Schließlich kenne und kannte ich es auch nicht anders. Ich lernte ihn kennen, da wohnten die beiden Kinder bereits bei ihm am elterlichen Bauernhof und er war bereits geschieden. Ob es so bleiben würde, war allerdings unklar – die Sorgerechtsverhandlung war noch nicht abgeschlossen. (Mittlerweile ist es ja so geregelt, dass die Kinder bei uns leben und an jedem zweiten Wochenende zur Mama fahren. In den Ferienzeiten natürlich öfters.) Es gab also von Beginn an Klarheit und ich konnte mich langsam damit anfreunden. Trotzdem war ich noch sehr jung, als ich mich dafür entschied.

In der ersten Zeit war ich sehr skeptisch und zurückhaltend, wir dann aber beschlossen das Haus fertig zu machen und auch in dieses einzuziehen, sprachen wir viel über unsere, doch eher außergewöhnliche, Konstellation und auch die „klassische“ Rollenverteilung.
Zu Beginn war ich hoffnungslos überfordert. Nein, hier gibt es kein „schön-reden“ – es war für mich eine schwierige Zeit. Ich wollte alles richtig machen, wusste aber nicht genau wie. Dann wollte ich mich nicht zu viel einmischen, schließlich bin und war ich ja kein Elternteil. Aus dem „Rosenkrieg“ um die Kinder, hielt ich mich auch raus, soweit und sogut ich es eben konnte. Es war eine schwierige Zeit, die mir viel abverlangte. Oft hatte ich Zweifel und dachte, ich könnte es in dieser Form niemals schaffen.

In irgendeiner Form habe ich dann nach dem Einzug die „Mutterrolle“ übernommen, obwohl ich nicht ihre Mama bin. Aber ich bin da. Morgens. Mittags. Abends. Nachts. Ich kam ja gerade frisch von der Uni, also vom Studentenleben, direkt in das Familienchaos. Mann, Haus, Kinder – alles über Nacht. Zuerst musste ich nur auf mich schauen, auf einmal waren da ein großes Haus, zwei recht kleine Kinder, meine Arbeit und eine noch ganz frische Beziehung. Eine enorme Umstellung, in der mir meine Familie und auch die Familie meines Partner halfen, wo immer sie auch konnten. Zum Glück kann ich auch jetzt immer auf ihre Unterstützung zählen. Ohne die hätte ich es nicht so gut hinbekommen. Aber auch bei einer langen Wanderung ist es besser, diese zu zweit oder in einer Gruppe zu bewältigen. Man schafft es leichter, man kann darüber reden, man motiviert sich gegenseitig.

Leicht ist es nicht, aber auf alle Fälle schaffbar – wenn man will und wenn man es trotzdem schafft, eine gute Beziehung zu führen. Und ich denke, wir sind auf einem guten Weg…

alles liebe,
eure vera

2 Gedanken zu „Patchwork ist kein Spaziergang“

  1. Ich kann nur den Hut vor Dir ziehen, wie Du das alles meisterst. Ich habe zwei eigene kleine Kinder, hatte also die Zeit, langsam und nicht von heute auf Morgen in das Familienleben hineinzuwachsen, und fühle mich schon sehr gefordert. Wahnsinn, wie Du das hinbekommen hast und nebenbei auch noch Zeit für Musik und den Blog findest!

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