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Mama und Papa gehören doch zusammen?!

Ja, ich dachte es mir als Kind auch immer und habe mir lange gewünscht, dass Mama und Papa wieder zusammen kommen. Mittlerweile weiß ich aber, es hätte niemals mehr funktioniert, aber trotzdem hatte ich diese bestimmte Wunschvorstellung.

Auch wir haben dieses Thema hin und wieder. Und ich würde lügen, wenn ich sage, es trifft mich nicht. Besonders dann, wenn es eine Meinungsverschiedenheit gibt oder wieder einmal die Emotionen aufeinander prallen, dann fallen so Sätze wie „Die Mama soll wieder einziehen“ oder „Ich will mit Mama und Papa zusammenwohnen“.
Bhuu.
Solche Aussagen treffen mich, auch wenn ich mir immer versuche nichts anmerken zu lassen. Vor allem, weil ich ja für die Situation, in der die Zuckerpuppen aufwachsen, nichts dafür kann. Es ist der natürliche Wunsch der Kinder, dass man in einer heilen Familie lebt. Und heil heißt in unserer Gesellschaft nun Mal „Mama-Papa-Kinder“.

Gut, aber was macht man dann in einer solchen Situation?
Ich weiß, dass die Kinder mich mögen und auch akzeptieren. Ansonsten würde es in unserem normalen Alltag nicht so gut funktionieren. Ich weiß aber auch, dass es für sie manchmal sehr schwer ist, mit dieser Situation umzugehen. Ich weiß es, weil es mir selbst auch so ergangen ist und ich kann mich gut in ihre Lage hineinversetzen, wenn es ihnen mal wieder schlechter geht. Lange Zeit habe ich mich mit meinen „Bonuseltern“ nicht so supergut verstanden und mir einfach nur gewünscht, Mama und Papa könnten wieder zusammen sein. Immer wieder habe ich mir selbst eingeredet, dass sich dann so manche Probleme in Luft auflösen würden.
Aber gerade diese Wunschvorstellungen haben Kinder aus Scheidungsfamilien. Kinder in Patchworkfamilien. Dabei ist es ganz nebensächlich, wie gut sie sich auch mit den neuen Partnern der Eltern verstehen. In diesem Moment und dieser schwierigen Situation zählt nur eines – der Wunsch nach einer heilen Familie. Nach einer „Mama-Papa-Kind“ Familie.

Was macht man jetzt in solchen Momentan?
Mittlerweile haben wir uns eine kleine Strategie angeeignet, bzw. arbeiten diese Situation in den meisten Fällen gleich auf.
Wir versichern den Kindern immer, dass wir ihre Sorgen und Probleme auch gut nachvollziehen und verstehen können. Trotzdem sage wir ihnen auch, dass es zwischen Mama und Papa nicht mehr klappen würde und es ausgeschlossen ist, dass die Beiden wieder zueinander finden. Meist bedarf es in solchen Situationen eine Menge Geduld und einfach Zeit. Zeit um Fragen zu beantworten, Erklärungen zu geben, die Situation zu besprechen.
Warum wohnt Mama nicht mehr bei uns?
Wieso haben sie sich getrennt?
Warum hat es nicht geklappt, oder könnte es nicht mehr zwischen Mama und Papa klappen?
Fragen über Fragen, meist aber immer die Gleichen.
Und was erzählen wir Erwachsenen den Kindern?
Ja, die Wahrheit. Natürlich nicht mit allen Einzelheiten und Details, aber im Grunde die Wahrheit. Wir können sie auch nicht anlügen, auch wenn es ein noch so sensibles Thema ist. Ich kann ihnen bezüglich der Scheidung ohnehin nicht viel erzählen, da ich damals ja noch gar nicht in ihr Leben involviert war und sie auch nicht kannte. Aber ich erzähle es einfach so, wie es mir erzählt wurde und wie ich es dann am Beginn unserer Beziehung erfahren durfte. Natürlich erklären wir ihnen auch, dass auch Fehler gemacht wurden und auch Erwachsene nicht immer alles richtig machen können, aber ohne die Schuld jemanden in die Schuhe schieben zu wollen. Neutral. Ohne Ausschmückungen. Aber ehrlich. Sehr ehrlich.

(Und wir wissen auch, dass in solchen schwierigen Situationen die Wahrheit auch zwei verschiedene Sichtweisen beinhaltet. Wir erzählen es aus unserer Sichtweise, eine andere können wir ihnen nicht schildern.)

Meist ist so eine kleine emotionale Phase nach ein paar wenigen Tagen auch wieder vorbei. Manchmal auch nach einem Tag oder ein paar Stunden. Trotzdem sind wir immer achtsam im Bezug auf dieses Thema und wir wissen auch, dass ebenso auf der anderen Seite darüber geredet wird. Ob es da ähnlich abläuft oder nicht, wir wissen es nicht und die Zuckerpuppen erzählen in dieser Hinsicht auch nichts. Müssen sie auch nicht, wir drängen sie nicht dazu.

Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass man sich als „Scheidungskind“ selbst eine Meinung zu diesem Thema bildet und auch irgendwann einsieht, dass es zwischen Mama und Papa wirklich nicht mehr klappen kann. Man testet aus, fragt viel und hinterfragt auch. Irgendwann hat man sich aber dann sein eigenes Bild von der Situation gemacht und lernt, mit dieser auch umzugehen bzw. zu akzeptieren. Manche können es früher einschätzen, andere brauchen bestimmt länger.
Wichtig ist in diesem Fall nur, dass die Erwachsenen wissen, dass die Kinder ohnehin nichts für diese Situation können, aber sie müssen lernen, damit umzugehen und die Eltern bzw. auch Bonuseltern, sind verpflichtet mit ihnen diesen Weg zu gehen. Ohne wenn und aber. Egal wo unsere eigenen Emotionen stehen und was auch immer vorgefallen ist. Hier haben die Kinder Vorrang, auch wenn es bei den Erwachsenen keine gute Ebene mehr gibt.


Einfach ist es nicht, mittlerweile weiß ich das und ich habe auch mit meinen Eltern darüber gesprochen. Denen bin ich sehr dankbar, dass sie immer auf mein Wohl geachtet haben und ihre eigenen Emotionen zurückgehalten haben, damit es mir mit dieser Situation gut ging. Aus diesem Grund hoffe ich auch immer, den Mädchen damit helfen zu können.

Alles liebe, eure Vera

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