Allgemein, Patchworkleben

Stiefmama – nicht ausgesprochen, aber spürbar

Stiefmama – genau die richtige Bezeichnung für meine Position in der Familie. Obwohl ich persönlich ja „Bonusmama“ bevorzuge, da es nicht so negativ behaftet ist, wie der Ausdruck „Stiefmama“. Da denkt man doch automatisch an Schneewittchen oder Hänsel und Gretel – von dieser Form der Stiefmama bin ich nämlich meilenweit entfernt.

Auch die Mädchen sprechen mich nicht mit „Stiefmama“ an – wäre ja auch komisch. Manchmal benutzen sie das Wort, um jemanden zu erklären, dass ich nicht ihre Mama bin. Völlig zurecht, denn eine einfachere Erklärung gibt es nicht und in dieser Sache wollen die Zuckerpuppen meist nicht so ins Detail gehen.

Aus Erfahrung kann ich aber sagen, dass ich komische Blicke ernte, wenn das Wort Stiefmama in Bezug auf mich fällt oder ich mich eben als solche oute. Egal ob in der Schule, dem Arzt oder einfach nur beim Einkaufen, wenn es manche wieder nett meinen und mich als Mama der Zuckerpuppen bezeichnen und diese dann die Situation aufklären. Meist schauen die Leute dann ganz verwundert, stammeln eine Entschuldigung oder blicken entsetzt. Natürlich bleibt es manchmal nicht bei Blicken, sondern es fällt auch das ein oder andere Kommentar – positiv oder negativ, wir hatten schon alles.

Warum das so ist, kann ich nur vermuten. Ich denke, es ist einfach in den Köpfen der meisten Menschen so verankert, wie anfangs erwähnt. Oder es schwingt mit, dass eine intakte Beziehung in die Brüche ging und die armen Kinder jetzt mit einer Stiefmama oder einem Stiefpapa aufwachsen müssen, obwohl sie das natürlich gar nicht wollen. Jemand muss auch an diesem ganzen Debakel Schuld sein und häufig wird es auf die vermeintlichen „Stiefeltern“ abgewälzt – in unserem Fall eben auf mich.

Manchmal bilden sich auch Leute über Stiefeltern eine Meinung, ohne den wirklichen Hintergrund der Familie überhaupt zu kennen. In unserem Fall war es ja so, dass die Beziehung in die Brüche ging, bevor wir uns überhaupt kannten. Mein Partner war schon geschieden und lebte mit den Kindern zusammen, als wir uns kennenlernten. Ich kam quasi später zu dieser Konstellation hinzu, ohne jegliche Schuld an einer Trennung oder dergleichen. Hinterfragt wurde und wird es aber selten. Die Blicke sind zwar meist neugierig, aber die Wenigsten fragen wirklich nach. In manchen Situationen bin ich schon als Schuldige abgestempelt worden, weil eben einfach nicht gefragt, sondern gleich geurteilt wurde. Bzw. wurde auch schon gesagt, dass ich eh keine Ahnung von Kindern hätte und meine Meinung gar nicht gefragt wäre. Schließlich kann man ja auch erst wirklich mitreden, wenn man eigene Kinder hat.

Phuuu… jetzt lebe ich seit knapp 5 Jahren mit zwei Kindern zusammen, ich würde mal behaupten, dass ich mittlerweile schon ein wenig Ahnung in Bezug auf Kinder habe. Vor allem, weil ich ja auch einen großen Teil der Zeit mit den Mädchen verbringe und mich um vieles kümmere, was eben sonst die leiblichen Eltern erledigen.

Tja – einige lassen es einen schon spüren, dass man „nur“ die Stiefmama ist. Auch wenn es sich kaum jemand traut, dies laut auszusprechen, in manchen Situationen reicht schon ein Blick oder eine kleine Geste. Für uns bzw. für mich macht es keinen Unterschied. Wir leben eben in dieser Konstellation zusammen, sind glücklich darüber und die Leute können sich ja darüber austauschen – es ändert an unserem Zusammenhalt nichts.

Hat jemand schon ähnliche Erfahrungen damit?
Wurdet ihr auch schon mal als Stiefmama „abgestempelt“?

alles liebe,
eure Vera

Ein Gedanke zu „Stiefmama – nicht ausgesprochen, aber spürbar“

  1. Oh ja… Das passiert leider oft, vor allem, weil die Kids mit 5 und 7 noch so klein sind und mein Verhältnis zu ihnen offensichtlich sehr innig ist. Da habe ich auch schon öfters komische Kommentare gehört, obwohl ich ja keine intakte Familie zerstört habe, sondern erst kam, als die Trennung längst gelaufen war.
    Und dann dieses: die hat ja eh keine Ahnung von Kindern. Nope, ich lebe ja nur mit ihnen und organisiere ihren Alltag hier. Die Rolle ist wirklich schwierig, vor allem, weil man sich überall erklären muss, dass man den Kindern die Mutter ja nicht wegnimmt.

    Liken

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