Allgemein, Patchworkleben

Aussagen über Stiefmütter

„Du verstehst es nicht, schließlich hast du ja noch keine eigenen Kinder!“

„War ja klar, dass sie so sind, du bist halt nicht die Mama!“

„Was sagt die Mama der Mädchen eigentlich dazu, wenn du dich hier so aufspielst?“

„Eigentlich gehören die Kinder ja zur Mama!“

„Sind sie die Stiefmama? Dann bekommen Sie keine Auskunft darüber!“

Tja, was soll ich sagen. Diese und andere Aussagen gehören scheinbar dazu, wenn man sich um Kinder kümmert, die nicht von einem selbst sind. Obwohl man alles für die Kinder macht, sie unterstützt und ihnen ein halbwegs „normales“ Leben ermöglichen möchte, bekommt man den Stempel „Stiefmama“ aufgedrückt. Und dieser ist natürlich alles andere als positiv in den Köpfen mancher Leute abgespeichert. Ganz á lá „Schneewittchen“, „Hänsel & Gretel“, „Aschenputtel“ oder den sonstigen Märchen und Geschichten, in denen eben eine böse Stiefmama vorkommt.

Ja, ich bin die Neue an seiner Seite. Trotzdem habe ich mir nie etwas zu Schulden kommen lassen, wie vielleicht viele gleich am Beginn denken.
Ich habe mich in einen Mann verliebt, ganz klassisch, wie eben andere Frauen auch. Nur mit dem kleinen Unterschied, dass dieser Mann bereits eine gescheiterte Ehe hinter sich hatte. Und aus dieser Ehe auch noch zwei tolle Mädchen stammen, die bei ihm wohnten, als wir uns kennenlernten. Also bin ich schon mal nicht diejenige, die eine Ehe zerstört hat, weil das ist das Klischee Nummer 1, wenn man von der „Stiefmama“ hört.
Und wenn man einen Mann mit Kindern kennen lernt hat man zwei Möglichkeiten. Entweder man stellt sich der Herausforderung mit den Kindern, oder man lässt es bleiben. So einen Mann gibt es nur im Dreierpack und ich möchte zu gerne wissen, wie viele sich davon allein abschrecken lassen würden.

Natürlich übernehme ich auch einen Teil der Erziehungsarbeit. Die Mädchen leben schließlich bei uns und ohne jegliche Erziehung würde es meiner Meinung nach nicht klappen. Immer wieder wird man dann aber schief angesehen, wenn man in der Öffentlichkeit etwas zu den Mädchen sagt oder sie auf etwas aufmerksam macht. (Um gleich klarzustellen – wir wohnen am Land – da kennt man sich einfach.) Und wie Kinder halt so sind, kann es durchaus auch einen Tobsuchtsanfall oder dergleichen geben. Wenn dann allerdings genau in diesen Augenblicken noch so tolle Aussagen von fremden Personen oder dergleichen kommen, dann tut es einfach doppelt weh. Denn welche Mama hatte noch nie trotziges Kind, welches unbedingt noch den Schokoladenriegel im Supermarkt haben möchte? Oder gibt es eine Mama, deren Kinder immer gleich vom Spielplatz nach Hause wollen? Oder hat jemand ein Kind, welches noch nie ein Schimpfwort benutzt hat? – Eben. Das liegt nicht an uns Stiefmüttern, versprochen.

Ich kann euch hier am Blog natürlich nur erzählen, wie es mir persönlich geht. Aber ich bin sicher, dass sich andere Stiefmütter in der gleichen Situation befinden.

Eine Stiefmama ist also nicht immer böse.
Ich will ebenso das Beste für die Kinder, wie auch ihr Papa und ihre Mama. Mein Leben ist natürlich auch nach den Kindern ausgerichtet – Terminplanung, Arbeit, Urlaub etc. Und das ist auch völlig in Ordnung so, denn ich habe mich selbst dafür entschieden.
Vor allem aber, nehme ich die Mädchen an, obwohl sie nicht von mir sind. Ich unterstütze sie, bin für sie da und gehe mit ihnen durch dick und dünn. Gestalte ihre Freizeit, durchlebe mit ihnen den Alltag, erledige die schulischen Verpflichtungen – ja das Rundumpaket quasi. Natürlich gibt es manchmal Situationen, in denen ich gerne das Handtuch werfen würde, aber ich glaube, den „echten“ Mamas geht es da auch ganz ähnlich. Es läuft eben nicht immer alles nach Plan, auch nicht bei uns Stiefmüttern. Und nein, keinesfalls mache ich der Kindesmama ihre Rolle streitig. Sie ist und bleibt natürlich die Mama. Wir spielen zwei völlig unterschiedliche Rollen im Leben der Kinder, erledigen aber ähnliche Aufgaben. Zumindest stelle ich es immer so dar.
Nur sollten manche über uns Stiefmütter ein wenig nachdenken, bevor sie sich vorschnell ein Urteil bilden. Den unsere Position in der Familie ist definitiv keine einfache und dies soll uns erst mal einer nachmachen.

alles liebe,
Vera

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